02.07.2006    Miami

Am nächsten Morgen waren wir zeitig unterwegs - Amber sei Dank.

Das Wetter war nicht so besonders, ziemlich bewölkt, aber warm, da tat es uns nicht leid, dass wir im Auto sitzen mussten. Zwischendurch kamen wir durch einige Gewitter mit pechschwarzem Himmel und Platzregen hindurch. Natascha machte wieder die erste Etappe (zwei Stunden) und hat sich wacker geschlagen, auch wenn Wetterverhältnisse und der rege Verkehr auf der Autobahn nicht immer einfach waren.

Am frühen Nachmittag erreichten wir Miami. Leider hatte ich vergessen, eine Wegbeschreibung zu unserem Hotel auszudrucken. Oder ich hatte sie ausgedruckt und vergessen mitzunehmen, wie auch immer, wir mussten ein wenig rumsuchen, haben es aber dann doch recht schnell gefunden.

Unser Hotel liegt am Miami Beach, South Beach, um genauer zu sein. Dort ist ein schöner Art Déco Bezirk, mit witzigen Gebäuden in kunterbunten Farben und Formen. Unser Hotel stammt auch aus der Zeit, alles ein wenig altersschwach und angestaubt, aber mit gewissem Charme. Erinnerte uns an unser Hotel bei unserem ersten New Orleans Besuch.

Überhaupt haben Miami und New Orleans recht viel gemeinsam. Beides sind Großstädte, wo Prunk und Protz und mitleiderregende Armut unmittelbar beieinander liegen. Miami Beaches sind - wie das French Quarter in New Orleans - dem Tourismus vorbehalten. Auf dem Weg dorthin passieren wir den Yachthafen und auf Star Island kann man weitere pompöse Yachten bewundern, die vor noch pompöseren Häusern (besser gesagt: Anwesen) liegen - Miami Vice lässt grüßen!

Am Hotel selber hieß es erstmal die Formalitäten erledigen, dann Sack und Pack ausladen. Wir mussten alles auf einmal aus dem Auto rausschaffen, weil es hier einen Einparkservice gibt, d. h. man gibt den Autoschlüssel ab und muss ihn ggf. immer wieder holen, wenn man was aus dem Auto holen möchte. Da wir auch viele Sachen in den Staufächern im Fußraum verstaut hatten, mussten wir von diesem Service häufig Gebrauch machen...

Das wichtigste war auch hier, unauffällig den Hund reinzuschmuggeln. Die meisten Hotels erlauben keine Tiere. Also muss Gizmo in ihre Tasche, die wir dann schnell und so unauffällig wie möglich nach oben ins Zimmer schafften. Glücklicherweise ist Gizmo kein Kläffer und gibt nur sehr selten und wenig Laute von sich. Da sie jetzt ja schon älter ist, ist es auch mit dem kleinen und großen Geschäft kein Problem mehr, sie hält es locker stundenlang an!

Die Zimmer waren einigermaßen sauber und zweckmäßig, nichts Besonderes, aber dem Preis angemessen. Der im Internet so einladend funkelnde Pool war leer - augenscheinlich nach dem letzten tropischen Sturm noch nicht wieder hergerichtet. Überhaupt waren einige Hotels und Geschäfte geschlossen und Gebäude in marodem Zustand, noch eine weitere Gemeinsamkeit mit New Orleans!

Das konnten wir feststellen, als der Kohldampf uns ein wenig die Straße auf und ab trieb. Wir fanden einen kleinen griechischen Imbiss, den wir begeistert aufsuchten, schließlich hatten wir auch in Hollywood leckeres Gyros in solch einer kleinen Bude gegessen. Hier hingegen bekamen wir für horrendes Geld Pitas mit undefinierbarem Inhalt serviert. Sah ein bisschen aus wie gegrillter Bierschinken, aber festlegen will ich mich da nicht. Gizmo hat's gefressen und auch überlebt, also konnten auch wir es wagen. Als wir aber die Rechnung bekamen, war der Herzinfarkt nahe! Ist halt ne Großstadt und wir mitten im Schickimicki-Touri-Zentrum!!!

Zurück im Hotel stürzten sich dann alle in die Badekluft und an den Strand. Diesmal war es wenigstens nicht gelogen und das Hotel lag direkt am Strand. Der Atlantik begeistert durch aufregendere Wellen, aber der Strand kann mit den schneeweißen Stränden der Golfküste oder Karibik nicht mithalten.

Miami ist etwas lockerer als sonst in USA, insbesondere an den Stränden von Alabama und Nordflorida. Viele Kippen und Kronkorken im Sand zeugen davon, dass hier in der Öffentlichkeit sowohl geraucht als auch getrunken werden darf. Auch "Oben-Ohne" ist hier kein Problem, das hatten wir bisher an keinem US-Strand erlebt.

Amber kann dem Wellengang nicht sehr viel abgewinnen, weder auf dem Arm noch in ihrem kleinen Boot war sie zufrieden. So war ihr Baden nur kurz, lieber spielte sie mit ihren Förmchen im Sand oder kaute auf Muscheln rum.

Es war schon ziemlich spät, als wir geduscht und frisch angezogen wieder auf dem Bürgersteig (ja, hier gibt's richtige Straßen mit Fußwegen!) vor dem Hotel standen. Wir wollten ein bisschen bummeln und irgendwo etwas "Leckeres" essen. Das fanden wir auch in einem kleinen Restaurant, wo es italienisches Essen und Seafood gab. Dort zahlten wir dann nochmal doppelt so viel wie am Nachmittag beim Griechen, aber langsam gewöhnten wir uns an den Schock.

Ein Auto hielt am Straßenrand und ein Fernsehteam stieg aus und entpackte seine Ausrüstung. Wen oder was sie dann filmten, haben wir nicht so richtig mitbekommen, aber eine halbe Stunde später saßen sie bei zwei Mädels am Tisch und schlürften Cocktails. Die Mädels kicherten, sie waren auch Deutsche, das konnten wir durch Wortfetzen mitbekommen. Am Nachbartisch wurde eine uns unverständliche Sprache gesprochen - auf Nachfrage erfuhren wir, dass es dänisch war - und weiter hinten wurde auf französisch telefoniert - Miami ist international.

Eines blieb aber wie gehabt: Immer, wenn wir im Restaurant sitzen, muss Amber gewickelt werden! Und das war in diesem Falle recht schwierig. Ich fragte den Kellner nach den Toiletten, der verwies mich an die Rezeption des Hotels, welches im selben Gebäude untergebracht war, dort händigte man mir eine Magnetstreifen-Karte (üblicher Hotelzimmer-"Schlüssel"), die gegen Diebstahl mit einem überdimensional großen klebrigen Plastikschlüssel versehen war, ausgehändigt. Wegen dieses Schlüssels bekam ich die Karte nur schlecht in das Türschloss - zumal ich ja noch Amber auf dem Arm hatte und einen Kontakt zwischen ihr und dem backigen Schlüssel vermeiden wollte. Der o. g. Kellner sah mich im Vorbeilaufen und öffnete mir sehr hilfsbereit die Tür. Überrascht musste ich feststellen, dass es in diesem Restroom keine Wickelmöglichkeit gab - das hatte ich hier in den Staaten noch nie erlebt. Dort stand nur ein kleines rundes Tischchen mit einer großen Vase mit Plastikblumen. Man wird ja flexibel, also wollte ich schnell die Blumenvase runterstellen, aber leider war diese an die Tischplatte angeklebt, so dass nur das Metallgestell der Tischbeine übrig blieb! Darauf konnte ich bei aller Flexibilität nicht wickeln. Ich also wieder raus, Schlüssel wieder abgegeben, ganz umsonst eklige Klebefinger bekommen und immer noch nicht das Baby gewickelt! Auf Nachfragen an der Rezeption bot man mir erst den Kopierer im Büro an, dann kam aber wieder mein Kellner hinzu und führte mich direkt durch die Restaurant-Küche auf eine nicht benutzte Terrasse. Dort wischte er schnell einen der regennassen Tische ab und ich konnte starten. Diese Aktion hat uns schon mal die Hälfte der Wartezeit auf's Essen vertrieben...

Nach dem Essen haben wir uns noch ein wenig die Beine vertreten und sind auf Umwegen zum Hotel zurückgebummelt. Müde und kaputt fielen wir in die Betten!

PS: Bilder folgen, das kennt ihr ja schon!