Die Familie Strauß wünscht allen ein schönes und frohes Weihnachtsfest sowie viel Glück und Gesundheit für das Jahr 2007

 

 

Da es bis dahin ja noch ein paar Tage hin ist, bieten wir hier zum Zeitvertreib noch zwei Weihnachtsgedichte zum Lesen und Auswendiglernen an:

 

 

 

Ladislaus und Annabella

von James Krüss

Advent

 von Loriot

In der Ecke eines Fensters

Unten rechts im Warenhaus,

Sitzt die Puppe Annabella

Mit dem Bären Ladislaus.

Annabella weint und jammert,

Ladislaus, der grunzt und schnauft:

Weihnachtsabend ist gekommen,

Und die zwei sind nicht verkauft.

"Armer Bär!" seufzt Annabella,

"Arme Puppe" schluchzt der Bär.

Tränen kullern in die Ecke,

Und das Herz ist beiden schwer.

In dem leeren Warenhause

Löscht man langsam Licht um Licht,

Nur in diesem einen Fenster,

Da verlöscht die Lampe nicht.

Voller Mitleid mit den beiden

Lässt der brave alte Mann

Von der Wach- und Schließgesellschaft

Diese eine Lampe an.

Dann verlässt er Annabella

Und den Bären, welcher klagt,

Und mit sehr gepresster Stimme

"Lebewohl" und "Servus" sagt.

In der menschenleeren Straße,

Abendstill und Schneeverhüllt,

Sind die beiden in dem Fenster

Ein betrüblich Jammerbild.

Traurig vor der großen Scheibe

Fallen Flocken, leicht wie Flaum,

Und im Haus gegenüber

Glänzt so mancher Lichterbaum.

Zehn Uhr schlägt´s vom nahen Turme,

Und fast schlafen beide schon,

Da ertönt im Puppenhause

Laut das Puppentelefon.

"Hallo!" fragt der Bär verschlafen.

"Hier im Kaufhaus. Wer ruft an?"

Da vernimmt er eine Stimme,

Und die brummt: "Der Weihnachtsmann!"

"Oh!" ruft Ladislaus erschrocken.

"Was darf´s sein ich bitte sehr?"

"Eine schöne Puppenstube,

Eine Puppe und ein Bär!"

"Das ist alles noch zu haben!"

Ruft die Puppe Annabella.

"Kommen sie zum Warenhause

Unten rechts, doch bitte schnell!"

Das ist eine Überraschung!

Ladislaus kämmt schnell den Schopf

Und die Puppe Annabella

Flicht ein Schleifchen in den Zopf.

Und schon zehn Minuten später

Kommt ein Schlitten, kommt ein Ross,

Und ein Alter steigt vom Schlitten,

Und ein Schlüssel knarrt im Schloss.

Ladislaus, der quiekt und jodelt,

Annabella lacht und singt,

Als der Weihnachtsmann die beiden

In den Pferdeschlitten bringt.

Grad in diesem Augenblicke

Kommt der brave alte Mann

Von der Wach- und Schließgesellschaft

Wieder zur Kontrolle an.

Höflich grüßt er die Gesellschaft,

Springt zurück ins Warenhaus,

Holt die schöne Puppenstube,

Und dann trägt er sie hinaus.

Leise sagt er zu der Puppe:

"Frohes Fest, mein kleines Kind!"

Während eine kleine Träne

In den großen Schnurrbart rinnt.

"Frohes Fest!" sagt Annabella.

"Frohes Fest" sagt Ladislaus,

Dann wird´s dunkel in dem Fenster

Unten rechts im Warenhaus.

Es blaut die Nacht, die Sternlein blinken,

Schneeflöckchen leis herniedersinken.

Auf Edeltännleins grünem Wipfel

häuft sich ein kleiner weißer Zipfel.

Und dort vom Fenster her durchbricht

den dunklen Tann ein warmes Licht.

Im Forsthaus kniet bei Kerzenschimmer

die Försterin im Herrenzimmer.

In dieser wunderschönen Nacht

hat sie den Förster umgebracht.

Er war ihr bei des Heimes Pflege

seit langer Zeit schon sehr im Wege.

So kam sie mit sich überein;

Am Niklasabend muss es sein.

Und als das Rehlein ging zur Ruh´,

das Häslein tat die Augen zu,

erlegte sie direkt von vorn

den Gatten über Kimm und Korn.

 

Vom Knall geweckt rümpft nur der Hase

zwei-, drei-, viermal die Schnuppernase

und ruhet weiter süß im Dunkeln,

derweil die Sternlein traulich funkeln.

Und in der guten Stube drinnen

da läuft des Försters Blut von hinnen.

Nun muss die Försterin sich eilen,

den Gatten sauber zu zerteilen.

Schnell hat sie ihn bis auf die Knochen

Nach Waidmanns Sitte aufgebrochen.

Voll Sorgfalt legt sie Glied auf Glied

(was der Gemahl bisher vermied)

behält ein Teil Filet zurück

als festtägliches Bratenstück

und packt zum Schluss, es geht auf vier,

die Reste in Geschenkpapier.

 

Da tönt es fern wie Silberschellen,

im Dorfe hört man Hunde bellen.

Wer ist´s, der in so tiefer Nacht

im Schnee noch seine Runde macht?

Knecht Ruprecht kommt mit goldenem Schlitten

auf einem Hirsch herangeritten!

"He, gute Frau, habt ihr noch Sachen,

die armen Menschen Freude machen?"

Des Försters Haus ist tief verschneit,

doch seine Frau steht schon bereit:

"Die sechs Pakete, heil´ger Mann,

s´ist alles, was ich geben kann."

Die Silberschellen klingen leise,

Knecht Ruprecht macht sich auf die Reise

Im Försterhaus die Kerze brennt,

ein Sternlein blinkt - es ist Advent.